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Kunsthandwerk

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Vom deutschen Kunsthandwerk zum Kitsch

Was ist Kunsthandwerk und Kunstgewerbe. Vom deutschen Kunsthandwerk zum Kitsch

Die Bezeichnung «Kunsthandwerk» und das Wort «Kunstgewerbe» entstanden im Zuge der ↑Industrialisierung und der ↑Industriellen Revolution, zwischen dem 19ten und dem 20ten Jahrhundert, etwa um 1850 bis 1910 und definieren die Trennung zwischen der industriellen Herstellung von Gebrauchsprodukten mit dekorativen Gestaltungselementen und der Herstellung von diesen Produkten auf traditionelle handwerkliche Weise. Zum Kunsthandwerk gehören Gewerke wie die ↑Seilerei- und ↑Flechterei, die ↑Weberei, ↑Färberei, die ↑Töpferei, ↑Schreinerei, die ↑Korbmacherei, die ↑Schmiede, die ↑Gürtlerei (Korpusgürtler), Druckerei, ↑Schneiderei und die ↑Böttcherei (Küfer) sowie viele andere kunsthandwerklichen Berufe. Das «↑Kunsthandwerk» steht mit dem «↑Kunstgewerbe» sowie der «↑Volkskunst» in einem engem Zusammenhang, unterscheidet sich jedoch maßgeblich voneinander.

Brosche aus Silber 1987 Johannes Ludewig
Brosche aus Silber (getrieben) mit Ätzung und Stahlnadel (1987); Johannes Ludewig

Seinen Ursprung hat das Handwerk in der ↑Jungsteinzeit, der ↑Neolithischen Revolution, etwa 7000 Jahre vor unserer Zeitrechnung, wo die Zaunflechterei, bei der horizontal und vertikal Gras, Schilf und Baumäste zu gitterförmigen Schutzwänden verflochten wurden, einen ersten bedeutenden Gebrauchswert erhielten. Das primitive Herstellen von Zäunen, Wänden und Abdeckungen durch Flechtarbeit, welches allein, unter Zuhilfenahme von Arbeitsmitteln, mit den Händen ausgeübt wurde, kann als historischer Ursprung des Handwerks und des heutigen Kunsthandwerks bezeichnet werden.

Mit der Zaunflechterei in der Jungsteinzeit (Neolithikum) kam die ↑Korbflechterei (Lk. ↑Korbflechterei Erzgebirge) aus der die ↑Töpferei hervorgegangen ist, da man erkannte, dass einfache Körbe mit Ton ausgekleidet Gefäße ergaben. Während der Flechtereiarbeit haben die Menschen der Jungsteinzeit erkannt, dass das Flechten mit unterschiedlichen Materialien eine Vielzahl unterschiedlicher Möglichkeiten zur Schaffung verschiedener Erzeugnisse bot. Es wurde die Herstellung des gedrehten Fadens – gesponnenen – Fadens bekannt. Diese wichtigen Erkenntnisse kamen am Anfang der Gefäßherstellung zugute, in dem man Gefäße und Krüge zur Formung, Haltbarkeit und Zierde mit mehreren ineinander gedrehten Fäden umwand, eine Eigenart, die später einer ↑Volksgruppe der Jungsteinzeit den wissenschaftlichen Namen „↑Schnurkeramiker“ brachte.

Schmuck-Ornamentstich aus dem 16. Jahrhundert

Mit der Verzierung von Erzeugnissen entstand sowohl die gestalterische Formgebung, welche in der Kulturgeschichte sowohl zum Wettbewerb unter den Handwerkern als auch zur qualitativen Entwicklung des steinzeitlichen Handwerks führte. Die ornamentale Verzierung von Erzeugnissen machte das erreichte Produkt zu einen wertvollen Erzeugnis oder zu einem dem Zweck dienlichen Erzeugnis; je kunstvoller ein Erzeugnis verziert war, desto wertvoller war sein Wert und die gleichsam Bedeutung seines Besitzers. Um den stetig wachsenden Ansprüchen an verzierten Erzeugnissen gerecht zu werden, entwickelten sich bereits im frühen ↑Mittelalter Meisterschulen und kleinere Meisterbetriebe, welche sich durch den Verkauf von meisterlicher Handwerkskunst von den einfachen den Handwerkern unterschieden.

Dieselbe historische Entwicklung kann auf die Malerei und die Bildhauerei übertragen werden, was bedeutet, dass Erzeugnisse mit einer künstlerischen Prägung seit Anbeginn ihre Zeit, einer bestimmten Zielgruppe vorenthalten war, welche mit dem Besitz von kunstvoll gestalteten und verzierten Erzeugnissen ihren gesellschaftlichen Status repräsentierten.

Kunsthandwerk

Laut dem Lexikon der Kunst, Band G-Lh, Seite 794, bezeichnet das Kunsthandwerk, die Herstellung von zweck – und sinnengemäßen Gegenständen für den Gebrauch, Schmuck, Raumausstattung und Repräsentation in zugleich künstlerisch und handwerklich durchgebildeter Gestaltung. Grundlage kunsthandwerklichen Schaffens ist das einschlägige Handwerk: Töpferei, Gold- und Silberschmiede, Gürtlerei und Metallplastik, Kunstschmiede, Handweberei und Bildwirkerei, Drechselei (Drechslerei), Glasgestaltung, Buchbinderei, Emailgestaltung sowie hier nicht genannte.

Handgewebte Tagesdecke von Susanne Döble
Handgewebte Tagesdecke; Susanne Döbler - ↑Handweberei in Mecklenburg - 17166 Dahmen

Charakteristisch für das Schaffen des Kunsthandwerkers ist, dass jeder Gegenstand von ihm entworfen ist und in der eigenen Werkstatt bis zur höchstmöglichen Vollendung ausgeführt wird; im Gegensatz zum Kunstgewerbe, bei dem der Entwerfer gewöhnlich nur den Entwurf für die Ausführung liefert.

Viele der obengenannten genannten Handwerksberufe sind heute nur noch in den Entwicklungsländern der Dritten Welt zu entdecken. In Europa sind die meisten kunsthandwerklichen Berufe bereits der Industrialisierung zum Opfer gefallen. Mit der Industrialisierung einer Gesellschaft geht das handwerkliches Wissen und gestalterische Gefühl im Laufe der Zeit verloren. Während in den vergangenen Zeiten noch einzelne Werkstätten, mit Meistern, Gesellen und Lehrlingen mit der Entwicklung und Gestaltung von Gebrauchsgerät befasst waren, erledigen heute moderne Maschinen die Aufgaben der Herstellung, welche Formgestalter (Designer) zuvor am Computer gestaltet haben.

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In der Neuzeit erhielt das Kunsthandwerk eine bildnerische Bedeutung, da die Kunsthandwerker ihre handwerklichen Erzeugnisse selbst entwerfen und ornamentalisieren. Somit werden die heutigen Kunsthandwerker gleichsam zum Künstler im eigentlichen Sinne, obwohl das Kunsthandwerk eher dem Gebrauch als dem bildnerischen Zwecke dient. Einzig Kunsthandwerker, welche auf traditionelle Art und Weise ihre Produkte herstellen sind Kunsthandwerker im Sinne der historischen Wortbedeutung.

Während vor der ↑Industrialisierung die Entwicklung gestalterischer Vorlagen von den Alten Meistern und Malern sowie deren Werkstätten, von namhaften Graveuren und deren Gesellen übernommen wurde, wurde nach der Industrialisierung die Vielzahl erhaltener Vorlagen nach belieben verwendet und vermischt, was zu einem stillosem gestalterischem Gemenge unterschiedlicher Epochen führte. Das Kunstgemenge des späten 19. Jahrhundert wird als ↑Historismus bezeichnet und führte über den ↑Eklektizismus zum heutigen ↑KITSCH.

So kann man nachlesen, dass vor dem 19. Jahrhundert Graveure, Bildhauer und Maler mit der Gestaltung von Gerät, Schmuck sowie Architektur beauftragt wurden, welche dann als Vorlagen genutzt wurden. Die historischen Entwürfe und Vorlagen werden als Ornamentstich bezeichnet und gehörten vor 1870 zur täglichen Arbeit der Werkstätten namhafter selbständiger Maler und Bildhauer.

Barocker Ornamentstich
Ornamentstich - Spätmittelalterlicher Entwurf für die Verzierung von Gebrauchsgegenständen

Mit der Industrialisierung um 1870 wurden gestalterische Elemente zur Verzierungen von Gebrauchsgegenständen aller Art sowie die gewünschten Gestaltungselemente von Bauwerken mit Hilfe von Maschinen realisiert. Bis zum ↑Jugendstil wurden noch vorhandene ↑Ornamentstiche aus den vergangenen Epochen zur industriellen Nachbildung ornamentaler Elemente genutzt, zusammengewürfelt oder imitiert. Als Höhepunkt der Nutzung von ornamentalen historischen Vorlagen (Ornamentstiche) kann die ↑Gründerzeit, auch Historismus² genannt, etwa zwischen 1850 und 1910 bezeichnet werden. Mit dem Eklektizismus¹ im Historismus² hat der KITSCH den Einzug in das gesellschaftlich kulturelle Leben gefunden und das langsame Ende der künstlerisch tätigen Handwerksbetriebe eingeläutet. Zum Zeitgeist des Historismus gehört auch die Bäderarchitektur in den Seebädern an der Ostsee, welche in beeindruckender Weise ein durcheinander gewürfeltes Kunstverständnis abbilden.

Kunsthandwerk nach 1950

Die gesellschaftlichen Bedeutung des Kunsthandwerk in Deutschland hat seit 1950 einen eher traurigen Wandel vollzogen, was im weitesten Sinne auf gesellschaftlichen Hintergründe wie die wirtschaftlichen Verhältnisse und den enormen technischen Fortschritt in einer marktwirtschaftliche orientierten Gesellschaft zurückzuführen ist. Obwohl die individuelle Qualität des Kunsthandwerkes in Europa außerordentlich hoch ist, kann man aktuell von einer zunehmenden Verödung der einzelnen Gewerke ausgehen. In einer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft steht der Verkauf, also der Konsum im Fordergrund, was den Raum für Individualität und Kreativität im Handwerk erheblich einschränkt. Das Kunsthandwerk orientiert sich jedoch sowohl an der Qualität als auch an der Ästhetik. Durch die hohen ästhetischen Ansprüche an kunsthandwerklicher Erzeugnisse verlieren die Produkte leider immer mehr an Gebrauchswert und Gebrauchsfähigkeiten und werden damit zu seltenen Einzelstücken, welche heute bereits Kunstcharakter haben.

Traditionelles Spielzeug aus Seiffen ist deutsches Kunstgewerbe
Traditionelles ↑Spielzeug aus Seiffen im Erzgebirge ist deutsches Kunstgewerbe.

Die künstlerische Entwicklung des Kunsthandwerkes, weg vom Gebrauchswert begünstigt allerdings eine Isolation des Kunsthandwerkes in der Gesellschaft, was langfristig eine Verödung zur Folge haben kann, wenn es nicht zu einer bedarfsgerechten Mangel kommen sollte. So hat die heutige Keramik, wenngleich auch sehr schön, fast jeden Gebrauchswert verloren oder sie ist so teuer geworden, dass ein Gebrauch des handwerklichen Erzeugnisses im Widerspruch zu seinem Wert steht.

So hat die Wirtschaft bereits in den 70iger Jahren erkannt, dass man mit Schmuck, Kitsch und Nippes sehr erfolgreich Gewinne erzielen kann, wenn man deutsche kunsthandwerkliche Produkte in Ländern wie Thailand, Indien oder Indonesien von Kindern auf der Straße oder in riesigen Manufakturen imitieren und herstellen lässt. Produktionspreise von weniger als 70 Cent pro Stunde veranlassten selbst namhafte Herstelle kunsthandwerkliche Produkte ihre Produktion in das asiatische Ausland zu verlagern. (Bangkok Schmuck)

Kunsthandwerk und Kunstgewerbe im Sozialismus (1949 bis 1990)

Das Kunsthandwerk und das Kunstgewerbe waren im Sozialismus der DDR (1949 bis 1990) auf dem Gebiet zwischen Ostsee und Thüringen ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens und hatten einen sehr hohen Gebrauchswert im täglichen Leben und waren darüber hinaus noch wichtiger Bestandteil der sozialistischen Exportwirtschaft.

KILLIKUS SCHMUCK
Killikus Sschmuck bei DAWANDA

So herrschte im Sozialismus der DDR überall Mangel an allem. Dieser Mangel kam dem Kunsthandwerk in der Mangelwirtschaft auf besondere Weise zugute. Der Mangel an allen Gütern des täglichen Bedarfs beförderte nicht nur das eigentliche Handwerk sondern auch das Kunsthandwerk und das Kunstgewerbe nachhaltig. Auf diese Weise entwickelte sich in der ehemaligen DDR ein Kunsthandwerk, welches ein fester Bestandteil des täglichen Bedarfs war.

Durch den hohen Gebrauchswert der kunsthandwerklichen Produkte, wie Körbe, Töpfe, Tassen, Wandbehänge, Bekleidung und Spielzeug konnte sich das Kunsthandwerk der ehemaligen DDR deutlich besser entwickeln als das Kunsthandwerk in der Bundesrepublik, zwischen Nordsee und den Alpen. Die gute wirtschaftliche Entwicklung des Kunsthandwerkes und des Kunstgewerbes auf dem Gebiet der DDR (1949 bis 1990) nutzte die sozialistische Staatsführung zum Export zur Beschaffung von Devisen. Erzeugnisse wie Seiffener Spielzeug, Meissner Porzellan oder Dresdner Silberwaren (Strohbach-Schöne-Melzer-KG) waren wahre Exportschlager in die ganze Welt. Während die DDR-Führung das ostdeutsche Kunstgewerbe und das Kunsthandwerk zum Exportschlager fortentwickelte, stellte sich auf den heimischen Märkten erneut ein Mangel ein, was wiederum zum Wachstum des Kunsthandwerkes und des Kunstgewerbes in der einstigen DDR betrug.

Kunstgewerbe

Neben dem Kunsthandwerk im Sinne der Handwerkskunst gibt es den Begriff „Kunstgewerbe“, welcher eng mit dem Kunsthandwerk verbunden ist. Jedoch unterscheidet sich das Kunstgewerbe erheblich vom Kunsthandwerk:

Als Kunstgewerbe bezeichnet man die serienmäßige Herstellung und den Vertrieb von schmückenden Gebrauchsgegenständen des häuslichen Bedarfs, von Raum-, Tafel- und Körperschmuck, von Andenken-Artikeln und ähnlichen Angeboten.

Spielzeugmacherin in Seiffen

Dazu gehören ebenfalls Handspielpuppen, handgefertigte Puppen, Wandgestaltungen, Souvenirs und Andenken etc. Das Kunstgewerbe hat seine wesentliche Bedeutung in der Befriedigung der ästhetischen Bedürfnisse der Konsumenten nach schmückenden zweck- und sinnengemäßen Gegenständen in ihrer räumlichen Umgebung; der kunstgewerbliche Gegenstand wird in dem Zusammenhang nicht allein wegen seines Gebrauchzweckes erworben. Im Gegensatz zum Kunsthandwerk, wo Fertigung eines Gegenstandes vom Entwurf bis zur endgültigen Ausführung in einer Hand liegt – und eine entsprechende handwerkliche Qualifikation vorliegt – liefert im Kunstgewerbe der Entwerfer (Grafiker, Gestalter, Formgestalter oder Designer) gewöhnlich nur den Entwurf, der dann in einer Werkstatt oder in einem Maschinenbetrieb umgesetzt wird. (Quelle: Lexikon der Kunst; Band G-LH, Seite: 791 ff.)

Da die Grenzen zwischen Kunstgewerbe und Kunsthandwerk nicht scharf gezogen werden können, sind beide Begriffe oft der Verwechslung unterworfen. Die im Kunstgewerbe verwendeten Materialien sind gleich dem des Kunsthandwerks; sie umfassen Metalle (Gold, Silber, Kupfer, Messing, Zinn, Bronze, Tombak, Eisen, Aluminium u. a.), Keramik (Steingut, Steinzeug, Irdenware, Fayence, Porzellan), Glas, Holz, Leder, Elfenbein, Email, Bernstein, Textilien, Kunststoffe und andere vorwiegend weiche Materialien.

Die Bezeichnung Kunstgewerbe bürgerte sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, als die Entwicklung der maschinellen Herstellung den Menschen die Möglichkeit bot, schneller und effizienter wirtschaftlich Gewinne zu erzielen. Der Wert der Waren wurde im Wesentlichen durch die Art der Ausschmückung bestimmt, wobei man sich ungehalten historischer Vorlagen und vorgeprägter Formen aus allen Zeiten bediente. Die Auffassung, künstlerische Vorlagen aus allen vorangegangenen Epochen übernehmen zu dürfen und damit Gewinne zu erzielen führte ab Mitte der 50iger Jahren des 19. Jahrhunderts zu dem Niedergang des ästhetischen Geschmacks und zu kulturellen Verfallserscheinungen sowohl in der angewandten Kunst als auch in der Architektur (siehe Bäderarchitektur).

Die 100jährige Entwicklung des Kunstgewerbes führte in den 50iger Jahren des 20igsten Jahrhunderts zum heutigen Wohn- Lebens- Kitsch. Mit der Aussage „KITSCH IST KULT“ in dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts ist der KITSCH, einst hervorgegangen aus dem Kunstgewerbe in der heutigen Gesellschaft angekommen und hat nun das Ende guten Geschmackes für alle Zeiten eingeleitet.

Deutsches Kunsthandwerk und Kunstgewerbe im 21. Jahrhundert

Das deutsche Kunsthandwerk ist nach der deutschen Widervereinigung zunehmend in die Isolation geraten. Namhafte Gewerke wie die Kunstschmiede, die Gelbgießer, die Korpusgürtler, die Silberschmiede oder Puppenmacher sind innerhalb von 20 Jahren deutscher Einheit nicht nur vom Markt verschwunden, sondern auch aus dem deutschen Wortschatz. Die Schnitzer und Drechsler der einstigen Spielzeugstadt Seiffen im Erzgebirge kämpfen gegen billige asiatische Plagiate und renommierte wie der Bernsteinschmuckhersteller „Ostseeschmuck“ in Ribnitz-Damgarten mit einst einig dutzend Goldschmieden nennt sich heute „größte Bernsteinverkaufsausstellung Europas“.

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Gründe für den massiven Rückgang an deutschem Kunsthandwerk und im Kunstgewebe ist der in großen Massen vertretene «Ramsch». Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie Gebrauchskeramik oder handgewebte Teppiche werden aus den ehemaligen Kolonien und heutigen Entwicklungsländern für „billig Geld“ importiert und zu Spottpreisen auf Baumärkten und Möbelhäusern verramscht (v. Ramsch).

Ramsch wird seit dem 18. Jahrhundert im Deutschen in der Bedeutung „bunt zusammengewürfelte Ausschussware, Schleuderware, wertloses Zeug“ verwendet. Ähnliche Bedeutungen haben Nippes, Kram und Tand. Das Wort zählt zu Umgangssprache, es stammt wahrscheinlich von mhd. râm "Schmutz, Abfall" oder vom hebräischen Wort רָמָאוּת (rama'ut) mit derselben Bedeutung ab. Die Ableitung ramschen bezeichnet dabei das „billige Aufkaufen von Ramschware“, verramschen wiederum „zu einem Schleuderpreis verkaufen“.

Das Verramschen von eigentlich hochwertiger Handwerksware aus den Entwicklungsländern führt zu einer Kultur die nur noch als Kitsch-Gesellschaft bezeichnet werden und führt zwangsweise zum Niedergang des Kunsthandwerkes und des Kunstgewerbes. Einziger Lichtblick ist das Schneiderhandwerk, welches mit zunehmender Armut in Deutschland seit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine Renaissance erlebt. Sowohl die individuelle Schneiderei als auch die Maßschneiderei kann seit einigen Jahren zunehmendes Interesse aufweisen.

KITSCH „Lebenstil des 21. Jahrhunderts“

Verantwortlich für den kulturellen Verfall im deutschen Kunsthandwerk und Kunstgewerbe ist der massenhaft vertretene Kitsch, welcher zum einen als importierte Billigware in Billigmärkten und Baumärkten zu erhalten ist und zum anderen als sogenannte Nobelware unter dem Begriff „Stilvolles Wohnen“ oder „Klassisches Wohnen“ (s. a. Magazin „↑Klassisch Wohnen“) verkauft wird.

Als KITSCH beschreibt das Lexikon der Kunst auf Seite 618 die „Bezeichnung für geschmacklose Erzeugnisse, die den Anspruch erheben, Kunstwert zu besitzen.“ - siehe „Klassisches Wohnen“

Die Frage was «geschmacklose Erzeugnisse» sind sei in diesem Zusammenhang erlaubt. Dem Begriff Kitsch können auch zahlreiche andere wertende zugeordnet werden. So wird Kitsch in der Musik als Schnulze bezeichnet, in der Literatur als Reißer oder Schmarren und im Kunstgewerbe als Nippes. Die Herkunft des Wortes Kitsch ist nicht sicher bekannt. Das Wort Kitsch soll am Ende des 19. Jahrhunderts aus dem Münchner Kunsthandel, wo das Wort «verkitschen» so viel wie «zu Schleuderpreisen verkaufen» bedeutet.

Merkmal des Kitsches ist, lt. Lexikon der Kunst, Seite 618-619, ein in ganz bestimmter Weise raffiniert gerichteter Inhalt: unwahr, seicht, süßlich, sentimental-rührselig, oft auch heldisch-pathetisch. Dabei appelliert der Kitsch, je nach den Zeitumständen sich wandelnd, an viele Wünsche, Gefühle und Sinne des Menschen, z.B. an Heimat-, Natur- und Kinderliebe, Familiensinn, Erotik Religiosität, Patriotismus, Moral, Phantasie, Liebe zur Kunst. Alle echten Werte werden im Kitsch herabgewürdigt, verflacht, wobei die Nivellierung ebenso gut durch Verniedlichung wie durch Übersteigerung erfolgen kann.

Wenn man das Wirken der Künstlerin Cristina Romero (1991) aus Berlin betrachtet und diese mit den modernen Doku-Soaps TV-Sendung wie Dschungelcamp „Ich bin ein Star – holt mich hier raus “ (RTL) oder „Bauer sucht Frau“ (RTL) vergleicht, wird dem Betrachter die Bedeutung „geschmackloser Erzeugnisse“ des 21. Jahrhunderts schnell bewusst. Demnach kann man als KITSCH alle Produkte bezeichnen, mit denen Gewinne aus den Gefühlen und Sehnsüchten der Menschen erzielt werden können.

Bemerkenswert ist das formale Auftreten von KITSCH; bald effektvoll-aufdringlich, bald gemütlich-glatt; bald naturalistisch, bald abstrakt; bald historisierend, bald hypermodern als «letzter Schrei» oder «moderner Kitsch» (siehe Ave Maria Devotionalienladen) So sind Gebrauchsgegenstände im KITSCH selten sachlich und zweckentsprechend, sondern eklektizistisch und kitschig aufwendig, woraus sich immer ein hoher Preis und fast immer eine Herabminderung des Gebrauchswertes ergibt. Nach dem Prinzip «Mehr Schein als Sein» wird häufig zur Metalllüge gegriffen und einem billigerem und durchaus guten Werkstoff der Anschein eines anderen und teueren Materials verliehen. (Quelle: Lexikon der Kunst; BAND II: G – LG; Seite 618; SEEMANN VERLAG; Leipzig 1971)

¹ Der Eklektizismus ist kennzeichnend für die Stilrichtungen der europäischen Kunst seit Beginn des Klassizismus, aber besonders im Historismus.

² Der Historismus bezeichnet in der Stilgeschichte ein Phänomen des 19. Jahrhunderts, bei dem man auf ältere Stilrichtungen zurückgriff und diese nachahmte. Im Gegensatz zu vorhergehenden kunsthistorischen Epochen ist für den Historismus ein zeitgleicher Stilpluralismus charakteristisch, der sich aber schon im Nebeneinander von Klassizismus und Romantik um die Wende zum 19. Jahrhundert ankündigt.

Hilfreiche Links:

↑Google ArtProjekt (Google Museumsführer)
↑Museum für Kunsthandwerk ↑Kunsthandwerkerportal ↑Bundesverband Kunsthandwerk e.V. ↑Kunsthandwerk MV ↑Berufsverband Kunsthandwerk Schleswig-Holstein e.V.
↑Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg e.V.
↑Arbeitsgemeinschaft des Kunsthandwerks NRW ↑Schneiderei Zick-Zack in Dresden

„Erzgebirge Kunstgewerbe“ Bilder im Bildarchiv:

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Autor: Johannes Ludewig
Last Edit: 12.10.11
Quellenangabe: Lexikon der Kunst; BAND II: G – LG; Seite 618; SEEMANN VERLAG; Leipzig, Weben und Wirken, Verlag Ulrich Riemerschmidt, Berlin 1941
Bildangaben: Johannes Ludewig
Erstellt: 26.01.2011
Version: 25.09.2013
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