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Siegfried Marcus Exponate im Malchiner Museum

Malchin

Siegfried Marcus - Lebensjahre von 1852 bis 1864

Pantograph

Der junge Siegfried Marcus, 1831 in Malchin geboren, kam über Hamburg nach Berlin und arbeitete im heranwachsenden Unternehmen von Werner Siemens. Hier war eine völlige Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die scheinbar zu den wichtigsten Bedürfnissen von Siegfried Marcus gehört hat, nicht erreichbar. Wann Marcus den mosaischen Glauben ablegte und zum evangelischen Glauben übertrat, ist nicht bekannt. Das Ziel war die „Assimilierung“, die im damaligen Preußen recht populär war. Ob dies in seiner Berliner Zeit geschah, lässt sich heute nicht mehr sagen.

Im Jahr 1852 drohte ihm die Einberufung zum Militär. Da wegen Geldmangels des preußischen Staates nur die Hälfte der 20jährigen nach dem Geburtsmonat eingezogen wurde, hätte Marcus, da er im September geboren wurde, gute Chancen gehabt, nicht genommen zu werden. Er verließ sich aber nicht darauf (vielleicht hatte er den Stellungsbefehl schon erhalten) und ging mit 21 Jahren nach Wien. Der genaue Zeitpunkt ist nicht belegt. Wahrscheinlich war es im Frühjahr. Später sagte Siegfried Marcus sinngemäß: In Wien war die Luft milder, die Menschen toleranter, die Frauen und die Musik schöner.

1853 fand er eine Anstellung beim Mechaniker Karl Eduard Kraft. Ein Bekannter von Siegfried Marcus, Max Jaffe, ebenfalls wie Marcus ein mecklenburgischer Jude, erzählte später, dass sich Kraft die Ideen von Marcus patentieren ließ. So ist es sicher nicht verwunderlich, dass Siegfried Marcus schon ein Jahr später beim k.k. physikalischen Institut der Wiener Universität arbeitet. Hier hört man 1855 vom 24jährigen Marcus von seiner ersten Erfindung, einem „Regulator für die Gaslampen chemischer Laboratorien“. Dieser Regulator wurde leider keine Standardeinrichtung in Laboratorien, da hierzu eine komplizierte Regulierung der Anlage notwendig war. Insbesondere musste der genaue Luftdruck bekannt sein.

Im selben Jahr erfand er den Antigraphen, einen Gegen- oder Verkehrtzeichner, der es den technischen Zeichnern seiner Zeit erlaubte, mechanische Bauteile, wie zum Beispiel Zahnräder, mittels des Zeichengerätes quasi zu kopieren.

Antigraphen

Durch Zwischenschaltung einer Übersetzung (ein kleineres Zahnrad wurde zwischen den beiden großen Zahnrädern des Antigrafen gesetzt) erreichte man eine richtige Abbildung des zu zeichnenden Objektes – dieses Zeichengerät nennt man Pantogaph. Überhaupt scheint das Jahr 1855 für Marcus ein sehr produktives gewesen zu sein. Neben weiteren Zeicheninstrumenten, wie zum Beispiel dem Ornamentzirkel, erfand er eine Gehrungslade mit Feststelleinrichtung des zu sägenden Werkstücks.

Im selben Jahr wechselte er an die k.k. medizinisch-chirurgische Militärakademie, dem so genannten Josephinischen Institut. Allerdings herrschten auch dort nur bescheidene Arbeitsbedingungen, da dieses Institut nur kurze Zeit zuvor gegründet wurde. Marcus wohnte im Institut („freie Wohnung, Licht, Holz und Bekleidung“), zog jedoch noch nicht einmal ein Jahr später in die Mariahilferstraße. Ob als Mieter oder Untermieter ist unbekannt.

Im Jahr 1856 wagte Siegfried Marcus den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete sein „Atelier mechanischer u. physikal. Instrumente und Apparate“. Wie er es vier Jahre vor der Einführung der Gewerbefreiheit in Österreich (1860) geschafft hat, kann man heute nicht mehr sagen. Vielleicht hat er eine alte Werkstatt übernommen oder er kümmerte sich einfach nicht um die Verwaltungssorgfalt der Behörden. 1857 projektierte er ein Sicherheitsventil für Dampfkessel. Diese Erfindung entstand auf Grund des Wissens um einen dringenden Bedarf, jedoch fand dieses Ventil keine Anwendung. Es bestand aus kreisförmigen Dichtflächen ohne Verbindungselemente, was in der damaligen Zeit ein ungelöstes Problem war. Noch viele Jahre danach beschäftigten sich Ingenieure mit Sicherheitsventilen.

Ein Jahr später entstand die dreibackige Schraubenschneidkluppe (Gewindeschneider). Diese Erfindung ist, ebenfalls wie das Sicherheitsventil, eine Gelegenheitserfindung. Sie entstand aus der eigenen handwerklichen Arbeit. Dreibackige Kluppen waren nicht neu und boten nur geringe Vorteile, so dass zweibackige Kluppen die weitaus gebräuchlicheren blieben. Heute benutzt man so genannte Schneideisen zum Gewindeschneiden. Marcus wollte am liebsten alles alleine machen. So erklärt es sich, dass er sich viele Werkzeuge selbst herstellte (siehe die Schraubenschneidkluppe). Wenn das nicht zu machen war, beauftragte er verschiedene Mechaniker, immer nur ein Segment seiner Erfindung herzustellen, so dass niemand genau wusste, wie das Endprodukt aussehen könnte.

In den Jahren 1858 – 1862 beschäftigte sich Siegfried Marcus mit der Neu- und Weiterentwicklung von Einrichtungen für telegraphische Zwecke. Hier sind der Zeigertelegraph von 1860, der automatische Morseapparat von 1861 und der transportable Feldtelegraph von 1862 zu nennen. In dieser Zeit, 1861, wird Marcus’ erste Tochter, Eleonore Marie ( 1905), geboren. Seine Lebensgefährtin, Eleonore Baresch (1842-1919) schenkte ihm noch eine zweite Tochter; Rosa Marie Anna (1869-1919). Am 6.Dezember 1862 wird Siegfried Marcus auf Grund seiner telegraphischen und elektrischen Arbeiten als „Ingenieur und Mechaniker“ in den Österreichischen Ingenieurverein aufgenommen. Die Aufnahme in den Wiener Elektrotechnischen Verein erfolgt im Jahr 1883.

Durch seine Arbeiten auf dem Gebiet der stromquellenlosen Gewinnung elektrischer Impulse, gelangte er auf den Weg zum „Wiener Zünder“. Diesen Zünder entwickelte Marcus 1864. Im selben Jahr erhielt seine Heimatstadt Malchin Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz.

Rucksackminenzunder
Bei Sprengungen von Felsen mit Zündschnüren war keine gleichzeitige Zündung mehrerer Pulverladungen möglich. Diese benötigte man aber, um größere Felssegmente zu sprengen. Zwar wurde schon seit 1805 Elektrizität zum Sprengen verwendet und ab 1852 wurden in Österreich Sprengungen mit Spulen und galvanischen Elementen (Batterien) durchgeführt, jedoch waren die Batterien für den Feldgebrauch zu schwer. So entwickelte Marcus den legendären „Wiener Zünder“. Leider attestierte man dem Zünder, dass er zu schwer sei und einen zu schwachen Zündstrom lieferte. Die ersten Zünder waren zudem nur in stehender Ausführung betriebsfähig. Erst später baute Marcus lageunabhängige Zünder in Truhen- oder Rucksackausführung. Einen Nachweis, dass der Zünder beim Militär verwendet wurde, konnte bisher nicht erbracht werden.

1868 brachte Werner Siemens einen Zünder mit Dynamo heraus, der sogleich in standardisierter Form den mitteleuropäischen Markt beherrschte. Spätestens 1883, auf der Internationalen Elektrizitätsausstellung in Wien, verzichtete Marcus auf die Ausstellung seiner Zünder. Im Technischen Museum Wien gibt es trotzdem offenbar längerfristig benutzte Zünder, wie man an den Gebrauchsspuren erkennen kann.

Autor: Torsten Gertz
Last Edit: 16.11.06
Quellenangabe: Horst Hardenberg, „Siegfried Marcus, Mythos und Wirklichkeit“, aus der Wissenschaftlichen Schriftenreihe des DaimlerChrysler Konzernarchivs, Bielefeld 2000, Delius & Klasing
Bildangaben: Museum Malchin
Erstellt: 15.11.2006
Version: 25.09.2013
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