Niedermoor Torfstich Torfmoor
Torfmoor Torfstiche in der Mecklenburgischen Schweiz
Torfstiche und Torfgräben bei Malchin

Als Torfstiche (↑Torfstich) und/oder Torfgraben (Torfgräben) werden die Torf- Abbaugebiete in Torfmoorgebieten bezeichnet. Torfmoore können in Niedermooren und in Hochmooren vorhanden sein. Zwei Kilometer nördlich vom Malchiner Stadtzentrum entfernt kann man mit Wasser aufgefüllte Torfstiche des 19. Jahrhunderts betrachten. Die ehemaligen Malchiner Torfstiche sind heute, durch ihre Verbindung zur Peene mit Wasser gefüllt. Nach der Schließung der Torfstiche sind diese zum Teil wieder versumpft und es bildeten sich beeindruckende Biotope für die Pflanzen, Tier- und Vogelwelt. Heute werden die ehemaligen Torfstiche in der Mecklenburgischen Schweiz nur noch als Torfgräben bezeichnet, weil diese dem Eindruck nach, eher mit Wasser gefüllte Gräben, Kleinseen oder Kanäle sind. Zumeist befinden sich in der Nähe der Torfgräben Polder und Binnendeiche.

Die Malchiner Torfgräben lassen sich von Land her über Deiche zu erreichen. Wer mit dem Kanu das einstige Torfabbaugebiet befahren will, muss die kleine Einfahrt am Peenekanal, gegenüber dem Malchiner Industriehafen, erst einmal finden. Nach dem Passieren fühlt man sich sofort wie in eine andere Welt versetzt. Der Lärm der Stadt und des Industriegebietes scheint nicht hierher zu dringen. Auf einer Wasserfläche von ca. 46 Hektar findet man Natur und Erholung pur. Dieses Gebiet nannte man früher „Fegebeutel“. Der Fegebeutel war eine Wiese zwischen dem Pisedeer Damm und dem „Hohen Bruch“ am Peenekanal. Die damaligen Bürgermeister von Malchin hatten der Sage nach die Verpflichtung, den Markt auf ihre Kosten fegen zu lassen. Als Ausgleich dafür erhielten sie den Ertrag oder die Benutzung des Fegebeutels. Wahrscheinlich während des Siebenjährigen Krieges (1756-63) musste Malchin aufgrund der ungeheuren Kontributionen die Wiese verkaufen. 1849 kaufte Malchin den Fegebeutel für 1000 Taler von der Großherzoglichen Kammer wieder zurück. Nach Ablauf der Pachtzeit der Gülitzer Pächterin, Frau Lange, ist die Wiese seit 1861 wieder Eigentum der Stadt Malchin.

(Umkreis ca. 5 Km)
Somit sind die Malchiner Torfstiche zwischen dem Pisedeer Damm und dem Peenekanal erst nach 1861 entstanden. Noch heute führen die Gewässer die Namen „Großer Fegebeutel“, „Kleiner Fegebeutel“ und „Pferdekoppel“. Diese Torfstiche nördlich Malchins stellen einen einzigartigen Biotop dar. Fischreiher stehen am Ufer oder auf den Fischreusen. Sie verharren dort bewegungslos und schnappen pfeilschnell nach vorbeischwimmenden Fischen oder Fröschen. Wildgänse und Wildenten bevölkern in Scharen die Torfgräben und ziehen mit den Jungen auf dem Wasser ihre Bahnen. An markanten Plätzen wie zum Beispiel allein stehenden Bäumen, trocknen Kormorane nach ihren Tauchzügen ihr Gefieder. Die Jungtiere unter ihnen erkennt man an der weißen Unterseite. Eisvögel jagen übers Wasser und suchen nach Nahrung. Meist sieht man nur einen blauen Streifen über das Wasser flitzen. Auch auf seiner Speisekarte stehen Fische, Frösche und Wasserinsekten. Seine Beute erspäht er im Ansitz oder im Rüttelflug. So lebhaft wie über dem Wasser geht es auch im Wasser zu. Der Biber, das größte Nagetier Europas, kann man im letzten Licht der Sonne erleben. Die Nagespuren an vielen Bäumen verraten seine Anwesenheit. Ebenso den Fischotter, der in den Torfstichen ideale Bedingungen vorfindet. Sie alle sind auf der Jagd nach den Wasserbewohnern. In den Torfstichen leben viele der über 30 Fischarten der Peene, wie zum Beispiel Plötze, Rotfeder, Karpfen, Hecht, Brassen, Ukelei oder Güster. Für Angler sind die Torfstiche gesperrt.


Unweit der Torfstiche befindet sich im Wald bei Jettchenshof eine große Kolonie von Fischreihern. Schon von weitem hört man ihr Geschrei. Dutzende Brutpaare haben hier auf engstem Raum in den Baumkronen der Kiefern ihre Nester gebaut. Im Sonnenschein schimmern die Baumwipfel silbern/weiß durch die Vogelexkremente. Obwohl die Peene und die Torfstiche bei Malchin ausreichend Nahrung für die Reiher bieten, kommt es vor, dass sich einige Artgenossen bis in den Malchiner Stadtpark auf Nahrungssuche begeben.



