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Gut Blücherhof (Mecklenburg)
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Schloss Blücherhof mit dendrologischen Park

Blücherhof in der Mecklenburgischen Schweiz

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Blücherhof Mecklenburg: Die ↑neobarocke Gutsanlage Schloss Blücherhof ist eine besonders sehenswerte Guts- und Schloßanlage mit sehr seltenen ausländischen Baum- und Straucharten. Deshalb ist die Gutsanlage Schloss Blücherhof, welche im 18. Jahrhundert von ↑Ludwig von Blücher erbaut wurde, mit dem angrenzenden dendrologischen (gehölzkundlich) Park ein „Muss“ für jeden Naturliebhaber, der die Mecklenburgische Schweiz besucht. Das neobarocke Schloss Blücherhof liegt ca. 7 Kilometer südwestlich des Malchiner Sees. Erreichbar ist der Ort von der Bundesstraße 108 (Abzweig Klocksin) oder von der Deutschen Alleenstraße (Landstraße 20) von Kirch Grubenhagen aus. Über den Radfernweg „Mecklenburgische Seenplatte – Rügen“ ist Schloss Blücherhof an das deutsche Radwegenetz angebunden. Mit seinen über 100 ausländischen Gehölzarten stellt der Park eine botanische Besonderheit in Mecklenburg-Vorpommern dar.

Geschichte des Ortes Blücherhof

Bis ins 17.Jahrhundert war in Blücherhof eine Schäferei ansässig. Im Jahr der ↑Französischen Revolution (1789) kaufte Ludwig von Blücher ca. 1000 Hektar des Allodialguts* Lütgendorf. Hier begann er ab 1791 das Gut einzurichten. 1798 gab dessen Schwiegersohn von Arnim das Gut den Namen Blücherhof. Weitere Eigentümer des Gutes Blücherhof waren um 1850 die Familie von Hintzenstern und ab 1882 bis 1900 die Grafen von Plessen/Freiherren von ↑Maltzahn. Nach einer Reihe weiterer adliger Familien in den Jahren 1901 bis 1904 erwarb unter anderem der Hamburger Kaufmann Heinrich Wessel als erster bürgerlicher Besitzer das Gut Blücherhof. Im August 1904 erwarb Alexander Koenig das Gut und veranlasste eine grundlegende Umgestaltung des Anwesens. Bei der Umgestaltung wurden nur wenige Gebäude übernommen, wie zum Beispiel die Schmiede, das Forsthaus oder die Stellmacherei.

Alexander Koenig wurde 1858 in Sankt Petersburg geboren. Sein Vater, der in der russischen Zuckerindustrie tätig war, erwarb in Bonn eine große Villa am Rheinufer, die heutige Villa Hammerschmidt. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er Zoologie an den Universitäten in Greifswald, Kiel, Berlin und Marburg. 1884 erhielt er den Doktor-Titel. 1912 legte er in Bonn den Grundstein zum Bau eines Naturkundemuseums. Nach der Inflation stiftete Alexander Koenig 1929 das Museum dem Deutschen Reich. 1934 wurde das Museum eröffnet. Alexander Koenig unternahm viele Forschungsreisen in die Mittelmeergegend, an den Nil und nach Spitzbergen. Die dabei zusammengetragenen Exponate wie Vögel, Gelege und Säugetierfelle, sind noch heute im Museum Koenig in Bonn zu sehen. Alexander Koenig starb 1940 in Blücherhof.

Nach dem Tod von Alexander Koenig mietete die Kaiser Wilhelm Gesellschaft das Gut und nutzte die Räumlichkeiten zur Unterbringung von ausgelagerten Ausstellungsobjekten des Deutschen Entomologischen Instituts Berlin-Dahlem [↑Link]. 1945 wurde das Gut enteignet und von 1950 bis 1961 als ↑Jugendwerkhof für „verwahrloste“ und zum Teil elternlose Jugendliche genutzt. Von 1961 bis 2004 diente das Gutshaus als Kinderheim. Jetzige Eigentümerin ist eine in Spanien lebende Künstlerin. Die Wirtschaftsgebäude wurden nach 1995 saniert und werden wieder wirtschaftlich genutzt. Die gesamte Gutsanlage steht seit 1967 unter Denkmalschutz.

Der Park von Schloss Blücherhof

Der Vorläufer des um 1800 angelegten Park war ein so genannter ↑Hutewald. Die eigentliche Umgestaltung des ca. 8 Hektar großen Areals vollzog sich ab 1906. Der Besitzer Alexander Koenig und dessen Freund, der Landschaftsgestalter Georg Kuphalt, siedelten viele exotische Gehölze im Park an. Noch heute kann man über 150 verschiedene Bäume und Sträucher bewundern, wie zum Beispiel den ↑Ginkgo (Ginkgo biloba), den ↑Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum), den Urwaldmammutbaum, die japanische Sicheltanne (Cryptomeria japonica), die ↑Sumpfzypresse (Taxodium), den Tulpen- und ↑Trompetenbaum (Catalpa) oder den ↑Götterbaum (Ailanthus altissima). Auch 600 Jahre alte Eichen und Buchen findet man im Park sowie fast alle europäischen Laub- und Nadelbäume. Entlang von Teichen, Pavillons und kleinen Wiesen werden die Besucher des Parks mit den botanischen Seltenheiten bekannt gemacht. Neben dem 1902 errichteten Gutshaus mit dem fünfseitigen Risalit in der Mitte der Vorderfront und dem schmiedeeisernen Portalbaldachin sind das Torhaus mit dem kunstvoll geschmiedeten Tor, der Springbrunnen, das Taubenhaus und angrenzende Wirtschaftsgebäude erhalten. Jedes Jahr im Frühjahr und Sommer verwandeln über 15.000 Blumenzwiebeln den Park in ein Blütenmeer.

Schloss Blücherhof mit seiner Gutsanlage und den dendrologischen Kostbarkeiten im Park sind ein besonders lohnenswertes Ausflugsziel in der Mecklenburgischen Schweiz.

*Der Begriff "allodium" stammt aus dem germanischen "al" ("voll, ganz") und "auda" ("Gut, Besitz"). Er bezeichnet dementsprechend ein Vollgut und dient als rechtliche Bezeichnung für den volleigenen Besitz. Ursprünglich sowohl für Fahrhabe wie auch für liegende Güter verwendet, wird "allodium" immer mehr zur Bezeichnung für Grundbesitz im vollen Eigentum und damit zum Gegenteil von "feudum". In Westeuropa verschwanden die "allodia" gemäss dem Rechtsspruch "nulle terre sans seigneur". In Deutschland spielte das Allodialgut eine grosse Rolle, denn Rodungsland wurde oft als Allodialgut vergeben. Mit seinem Allodialgut gelang es dem Adel in Deutschland, seine Macht gegenüber dem König auszubauen.
Quelle: „↑Das hochmittelalterliche Lehnwesen“ Claudius Sieber Lehmann, Basel, SS 2006

Autor: Torsten Gertz
Last Edit: 16.09.08
Quellenangabe: Heiko Zerwer, „Der dendrologische Park Blücherhof“, Berlin 1998
Bildangaben:
Erstellt: 22.01.2007
Version: 09.09.2010
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