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Erste Marcuswagen

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Erste Marcuswagen

Siegfried Marcus

Erste Siegfried Marcus Wagen

Was die Bekanntheit betrifft, wurde der Erste Marcus Wagen lange vom Zweiten Marcus Wagen überschattet. Und das zu unrecht, denn mit seinem ersten Wagen hat Siegfried Marcus unbestritten einen großen Schritt in Richtung Benzinautomobil gemacht. Cugnot hat 1770 den ersten „Selbstfahrer“, einen Straßendampfwagen gebaut, der noch im Originalzustand erhalten ist. Der in Frankreich lebende Belgier Lenoir hat nach eigenen Angaben 1863 den ersten mit einem Verbrennungsmotor angetriebenen Straßenwagen geschaffen. Als Treibstoff diente in Flaschen mitgeführtes Leuchtgas. Siegfried Marcus aber hat Benzin als Treibstoff für mobile Zwecke entdeckt und spätestens im September 1870 in Wien das erste Straßenfahrzeug mit einem Benzinmotor fertiggestellt. Ob es sich dabei um das erste Benzinauto der Welt gehandelt hat, hängt davon ab, was man unter einem Automobil versteht. Das Fahrzeug war nichts anderes als ein Handwagen, dessen Hinterräder durch die Schwungräder des auf dem Fahrzeug aufrecht stehenden Motors ersetzt wurden. Ergo fehlten Kupplung, Getriebe, Lenkung und Bremsen. Es gibt auch keine Konstruktionszeichnungen. Allerdings lassen die vorhandenen Fotos, auf denen auch der Hintergrund genau abgebildet ist, das Aussehen des Fahrzeuges recht genau rekonstruieren. So hat der jüngste Nachbau im Heimatmuseum von Malchin in Mecklenburg-Vorpommern, der Geburtsstadt von Marcus, folgende Daten: Länge 237 cm, Höhe 226 cm, Durchmesser der Schwungräder 84 cm, Durchmesser der Vorderräder 58 cm, Achsabstand 142 cm. Der Zylinderdurchmesser des Motors beträgt 10 cm. Auch in der Siegfried-Marcus-Berufsschule in Wien kann ein solcher Nachbau schon längere Zeit bewundert werden. Über den Verbleib des Originals oder dessen Reste ist nichts bekannt.

Das Fahrgestell:

Das meiste sieht man auf den Bildern. Wie das Fahrzeug gelenkt wurde, ist unklar. Ein Nebenherlaufen und Steuern ist wegen der errechneten Geschwindigkeit von rd. 15 km/h kaum vorstellbar. Zum Unterschied vom späteren, verdichtenden Benzinmotor bremste der verdichtungslose Motor auch nicht, wenn er abstarb.

In „Ackermann’s Illustrierte Wiener Gewerbe-Zeitung“ (Petroleum - Motoren, 1890) ist von Fahrten mit zwei Passagieren im September 1870 in der Mariahilferstraße, Neubaugasse, Westbahnstraße und Kaiserstraße die Rede. Es ist daher nicht auszuschließen, dass Marcus nach den Fotoaufnahmen einen Sitz auf den Wagen stellte und eine Lenkstange anbrachte.

Der Motor:

Es handelt sich dabei um einen direkt, d.h. über einen Kurbeltrieb wirkenden, verdichtungslosen Motor. Dieser Typ war nicht neu, sondern der Stand der Technik zwischen 1860 und 1875. Über dem Kreuzkopf, das ist die Verbindung des gefederten Kolbens mit den Schubstangen, ist beim Marcus-Motor eine Bremsvorrichtung zu erkennen. Sie sollte ein Durchschlagen des Kopfes bei zu hoher Umdrehungszahl verhindern. Das besondere neue konstruktive Merkmal war die kegelförmige Federvorrichtung „zur Neutralisierung der Explosionsstöße“ zwischen Kolbenstange und Kreuzkopf, sie ist auf allen Bildern deutlich zu erkennen. Auf die Bremse und die Feder hat Marcus bei späteren Motoren wieder verzichtet.

Welchen Zünder der Motor hatte, kann man nicht erkennen. Der Zeitpunkt des Entstehens spricht für einen galvanischen Zünder. Der Vergaser war ein Oberflächenvergaser. In einem Behälter verflüchtigte, d.h. verdampfte Benzin in einem System von Kapillaren zum Unterschied vom späteren Spritzbürstenvergaser des Zweiten Marcus Wagens, und auch zum modernen Vergaser, bei dem es zerstäubt wird. Der Motor wurde lediglich durch die große Oberfläche des Zylinders gekühlt, Kühlrippen oder eine Wasserkühlung gab es nicht.

Die Leistung wird von Hardenberg unter Annahme eines Hubvolumens zwischen 3,2 und 4 dm³ (3,2 bis 4 Liter!) und einer Drehzahl zwischen 100 bis 200 U/min auf 0,3 bis 0,35 kW (knapp 0,4 bis 0,5 PS), geschätzt.

Bei einer Umdrehungszahl von 100 Umdrehungen/Minute erreichte das Fahrzeug die beachtliche Geschwindigkeit von ca.15 km/h. Wahrscheinlich wurde der Wagen durch Anschieben, oder besser Anlaufen, in Bewegung gesetzt.

Datierung des Fahrzeuges:

Die eigenhändigen Anmerkungen von Marcus auf den Fotos lauten: “Petroleum(Benzin)-Motor zum Betriebe eines Straßenwagens mit Federvorrichtung zur Neutralisierung der Explosionsstöße – konstruiert von Siegfr. Marcus 1870“, respective „Motor-Wagen. Konstruiert von Siegfr. Marcus. Wien d. 3ten Septbr.1870. Photographiert von Löwy durch Assistent Jaffe“. Das Vorstandsmitglied des Österr. Automobil - Clubs, Prof.Ing. Czischek-Christen, hat diese Fotos anlässlich seines Vortrages „Automobile“ im Jahr 1898 von Marcus selbst überreicht bekommen.

Erste Marcuswagen Nachbau

Im Schreiben vom 1.2.1901 spricht die Firma Märky, Bromovsky und Schulz, der Hersteller des Zweiten Marcus Wagens, davon, dass dieser (zweite, von ihr 1888/89 hergestellte) nicht „... mit dem identisch (ist), mit welchem Marcus bereits in den 70er Jahren Fahrversuche gemacht haben soll“. Da Marcus seinen Oberflächenvergaser 1865 und 1866 patentieren ließ, ist ein Entstehen des Fahrzeuges vor dieser Zeit nahezu auszuschließen.

Technikhistoriker lehnen bei komplexen technischen Gebilden die Begriffe „Erfindung“ und „Erfinder“ ab und sprechen von Erfinderreihen. Daher wird hier die Frage, ob Marcus mit dem beschriebenen Fahrzeug das Auto erfunden hat, weder aufgeworfen, noch beantwortet. Einen Platz in der „Hall of Fame“ der Väter des Autos hat sich Marcus mit seiner Pionierleistung, als Erster Vergaser, Benzinmotor und Wagen zu einer Einheit zusammen zu fassen, aber für alle Zeiten gesichert.

Autor: Günter Rott, Graz, Österreich
erschienen in „Austroclassic“, Kierling, Österreich, Juni/Juli 2003

Quellen:
  • Hans Seper, “Damals, als die Pferde scheuten”, Wien 1968, Österr. Wirtschaftsverlag. Albert Lorenz, „Alte Autos, junge Liebe“, Wien 1963, Kremayer & Scherian. Ursula Bürbaumer, „Das erste Auto der Welt?“, Wien 1998, Erasmus Verlag. Horst Hardenberg, “Siegfried Marcus, Mythos und Wirklichkeit”, aus der Wissenschaftlichen Schriftenreihe des DaimlerChrysler Konzernarchivs, Bielefeld 2000, Delius & Klasing Verlag.
  • Helmuth Grössing (Herausgeber), Ursula Bürbaumer, Johannes Steinböck, Horst Hardenberg, Gerhard Schaukal und Ladislav Mergl, in “Autos-Fahrer – Konstrukteure”, Wien 2000, Erasmus Verlag.
  • Seper, Pfundner, Lenz. „Österreichische Automobilgeschichte“, Klosterneuburg 1999, Eurotax Verlag.
  • Bruner, Reitgruber, „Hundert Jahre Fahrzeugbau in Wien“, Wien 2001, Verein zur Förderung historischer Kraftfahrzeuge der Österrr. Automobilfabriken ÖAF-Gräf & Stift AG.
Autor: Günter Rott, Graz, Österreich
Last Edit: 17.11.06
Quellenangabe:
Bildangaben: Sammlung des Autors
Erstellt: 14.11.2006
Version: 25.09.2013
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