Naturnahe Feuchtwiese
Feuchtwiesen in Norddeutschland
Pflanzenwelt der Feuchtwiese

Feuchtwiesen sind uralte naturbelassene Brachwiesen, Landungs- und/oder Überflutungswiesen, die zumindest einmal im Jahr völlig unter Wasser stehen, höchstens ↑extensiv genutzt werden und mindestens zweimal im Jahr gemäht (zweischürig) werden. Bereits im ↑Mittelalter erkannte man, dass eine ↑Feuchtwiese, die nicht genutzt oder mindestens zweimal gemäht werden, durch ↑Unkraut oder Gestrüpp verkrauten. Bereits 16. und 17. Jahrhundert beweideten Schafe und Ziegen die Feuchtwiesen. Bei Wikipedia wird bei der ↑Beweidung der Feuchtwiesen auch von ↑Elch, ↑Wisent, ↑Wildpferd oder ↑Auerochsen gesprochen. Die meisten Feuchtwiesen entstanden durch die Abrodung der Wälder in 16. Jahrhundert. Um Weideflächen für das Vieh, Brennholz oder Baumaterial zu gewinnen, sind Wald und Baumbestände in ufernahen Bereichen abgeholzt worden, weil das dem Menschen garantierte, dass die neu gewonnene Weidefläche extensiv und ohne viel Aufwand bewirtschaftet werden konnte. Alle Feuchtwiesen liegen also in der Nähe von Flusstälern, an Seen, in Senken, Hoch- oder Niedermooren. Die Bauern bezeichnen eine Feuchtwiese oft als Brachwiese. Auch das Wort Seggenwiese (↑Segge = ↑Sauergräser) ist mir bekannt. In einigen Pflanzenbüchern ist bei Feuchtwiesen von Verlandungszonen die Rede. Feuchtwiesen entstehen in und an Moorgebieten (Niedermoor Neukalen), die in den Sommermonaten trockenfallen sobald sich der Wasserspiegel des nahe liegenden Gewässers senkt. Zwischen dem 16. Jahrhundert und dem 20. Jahrhundert wurden fast alle europaweit verbreiteten Feuchtwiesen durch Umpflügen und Entwässerung (↑Melioration) in landwirtschaftliche Nutzflächen (siehe Polder) umgewandelt oder ausgebeutet sofern sich unter der Feuchtwiese Torf (siehe Torfstich) befand. So sind die meisten Feuchtwiesen im heutigen Mecklenburg-Vorpommern im 19. Jahrhundert in Torfstiche verwandelt worden, nachdem die Herzöge von Schwerin im 18./ 19. Jahrhundert das weitere unkontollierte Abholzen der Wälder untersagten.

Traditionelle Feuchtwiesen sind im norddeutschen Raum besonders in den küstennahen Gebieten der Nordsee sowie in den Niedermooren rund um die Mecklenburger Seen der gesamten Mecklenburgischen Seenplatte ausgehend vom nördlichen ↑Land Brandenburg bis an die ↑Mecklenburger Bucht im Nord-Westen und das ↑Stettiner Haff im Nord-Osten von Mecklenburg-Vorpommern anzutreffen. Das Besondere einer „echten“ alten Feuchtwiese, welche zum Teil bereits im ↑Mittelalter angelegt wurde, sind die daraus entstandenen besonders schützenswerten Boitope, deren äußerst seltene Tier -und Pflanzenwelt zum Teil einmalig und unwiederbringlich sind. So findet man beim näheren Hinsehen in einer Feuchtwiese Schachblumen (Fritillaria meleagris) und verschiedene Orchideen aus der Gattung Knabenkraut (Dactylorhiza), besondere Riedgräser (Cyperaceae), Binsen (Juncus) und Seggen (Carex) sowie seltene Insekten, Kriechtiere und Lurche.




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